Stiff-Person Vereinigung Deutschland - Hilfe für SPS-Kranke

Fragen und Gedanken zu den beiden Blutwäscheverfahren und Rituximab:


Warum dauert das so lange?
Beide Blutwäscheverfahren werden an aufeinanderfolgenden Tagen mehrfach durchgeführt, z. T. auch mit eingeschobenen Pausentagen. Das zieht den Aufenthalt im Krankenhaus in die Länge, hat aber einen guten Grund: Den Blutwäschen zugänglich sind nur die im Blut bzw. Plasma gelösten Antikörper, nicht aber die Antikörper, die gerade an ihren Zielstellen (z.B. Nervenzellen) gebunden sind und damit die Krankheitssymptome verursachen. In der zwischen den Behandlungstagen verstreichenden Zeit gehen gebundene Antikörper wieder teilweise zurück ins Plasma (ein neues Gleichgewicht stellt sich ein) und können am nächsten Behandlungstag entfernt werden. Wann setzt die Wirkung ein? Das ist bei jedem Patienten verschieden. Ich verspüre meist eine Besserung nach dem 3ten oder 4ten Behandlungstag, an den Tagen zuvor können sich die Symptome durchaus auch zeitlich begrenzt verschlechtern. Die nächsten Monate geht es kontinuierlich bergauf oder bleibt gut. Nach ca. 5 Monaten merke ich eine schleichende bis sprunghafte Verschlechterung der Symptome.

Immunadsorption oder Plasmapherese?
Hier kann es keine allgemeine Aussage geben. Die Immunadsorption wäscht selektiv Antikörper aus dem Blut, vor allem Antikörper vom IgG-Subtyp (Erklärung s.u.) und abhängig vom eingesetzten Säulenmaterial auch andere Antikörper (z. B. IgM und IgA).
 

Alle anderen im Plasma gelösten Stoffe werden in den Körper zurückgeführt. Das ist sehr elegant.Dagegen wird bei der Plasmapherese das Plasma des Patienten gegen synthetisches Plasma ersetzt. Es werden also alle im Plasma gelösten Antikörper (neben IgG auch IgM…) und alles was da noch so rum schwimmt (☺, je nach Quelle bis zu 2400 verschiedene Stoffe) reduziert. Das ist weniger elegant, kann dafür je nach Bedarf auch vorteilhaft sein. Die Immunadsorption gilt als schonenderes und ungefährlicheres Verfahren.

Bei mir wurden 4 Immunadsorptionen über ca. 2 Jahre durchgeführt. Deren Wirkung verschlechterte sich. Ein Wechsel auf Plasmapheresen war dann sehr erfolgreich…

In diesem Bereich werden die Abkürzungen IgG, IgM und IgA verwendet. Alle bezeichneten Antikörper: Ig steht für Iglobulin (also Antikörper) und der Großbuchstabe dahinter für die Klasse, die sich dann wieder in Unterklassen (IgG1, IgG2…) aufteilen. Soweit mir bekannt, spielen in der Diagnostik der neuronalen Autoimmunerkrankungen nur die IgM und vor allem die IgG Klasse eine Rolle. Beide haben eigentlich die Aufgabe, den Organismus bei der Verteidigung gegen bakterielle und virale Infektionen zu unterstützen. Die IgM Antwort ist dabei zeitlich gesehen die schnellere Variante und IgM Antikörper sind auch deutlich größer als IgG Antikörper.

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